Projekte

Wettbewerb KiGa Oberndorf_01

Städtebau -

„…der Neubau zeigt sich mit einladendem Gesicht“

Infos zum Projekt

Das Gebäude, in Form eines kompakten, südorientierten Riegels, setzt sich in angemessener Größe wie selbstverständlich in das Planungsgebiet, mit genügend Respektabstand vor den bestehenden Kindergarten. Beim Zufahren zeigt es sich von seiner einladenden Vorderseite mit Gruppenräumen und vorgelagerten Terrassen und erleichtert dadurch die Orientierung, bereits vor Betreten des Gebäudes. Zudem wirkt die Fassade mit den nach außen ablesbaren Gruppenräumen identitätsfördernd für die Kinder.

Hardfacts

  • Fertigstellung Jahr 2025
  • Bauzeit 2 Jahre
  • Projektbeginn 2023

Architektur und innere Organisation

– „Synergien schaffen und nutzen: gedeckter Zugang, geschützter autofreier Vorplatz, gemeinsamer Veranstaltungsbereich mit Tribüne“

Westseitig entlang der Zufahrtsstraße erstrecken sich Mehrzweckraum, Leiterinnen- und Personalraum (mit guter Übersicht zu Straße, Eingang und Stiegenhaus) sowie Müllraum und öffentliches WC (Orientierung zu Gemeindeplatz). Dieser Gebäudeteil ist gegenüber dem Obergeschoss leicht zurückgesetzt und ermöglicht so einen gedeckten, witterungsgeschützten Gehweg zum autofreien Vorplatz. Hier können Fahrräder und Kinderwägen unter einem Vordach abgestellt werden.

Das neue gemeinsame Foyer, in Form eines durchlässigen, gläsernen Verbindungstraktes, mündet links (wie gewohnt) in den Eingangsbereich des bestehenden Kindergartens sowie rechts in den Empfangsbereich des Neubaus. Die zweigeschossige Empfangshalle mit Stiege und Sitzstufen, sowie der direkt angrenzende Mehrzweckraum können bei Veranstaltungen oder Festen gemeinsam bespielt und von beiden Kindergärten genutzt werden. Während die Sitzstufen im Alltag als Wartebank oder Spielmöbel dienen, so werden sie bei Festen oder Vorführungen zur Tribüne.

Der Innenhof zwischen altem und neuem Kindergartengebäude in unmittelbarer Nähe zum Mehrzweckraum eignet sich perfekt als Jausenhof in der warmen Jahreszeit oder auch als Pausenbereich bei Veranstaltungen.

Der im Erdgeschoss befindliche Krabbelstubenbereich ist durch ein Glasportal von der Eingangshalle räumlich klar abgetrennt und vom Leiterinnenbüro gut einsehbar. Ein Abstellraum kann später zum Liftschacht umgebaut werden.

Die drei Gruppenräume sind zueinander leicht versetzt angeordnet, wodurch sich im Innenraum differenzierte Spielbereich ergeben, bzw. im Außenraum für jede Gruppe ein eigener Terrassenbereich. Durch den Versatz ergibt sich außerdem ein eleganter Knick in der Vordachkante welche spielerisch in Richtung des Spielgartens weist.

Die überdachten Terrassen bieten Regen- und Sonnenschutz und laden somit, unabhängig von der Witterung, zum draußen Jausnen oder Spielen ein (Großer Vorteil im Alltag: Die Terrassen können auch mit Patschen genutzt werden)

Alle Krabbel- wie auch die Kindergartengruppen haben die gleiche Ausrichtung nach Südosten (ideale Belichtung mit Morgen- und Vormittagssonne)

Über die Garderoben gelangen die Kinder zunächst auf die Spielterrassen, in weiterer Folge in den Garten. Die Kindergartenkinder gelangen über eine breite Stahltreppe von der Terrasse in den östlich gelegenen Gartenbereich. Beim Wiederbetreten über Stiege, Terrasse und Garderoben ergibt sich automatisch der Ablauf wie bei einer Schmutzschleuse. Es kommt zu keiner Verschmutzung der inneren Gangbereiche, die ja auch als erweiterte Spielfläche genutzt werden.

Nach der Erweiterung teilen sich je zwei Gruppen einen gemeinsamen Garderobenbereich, dadurch bleibt es für die Kinder und Pädagoginnen stets übersichtlich.

„im Handumdrehen erweiterbar“

Durch das Freihalten des Planungsgebietes entlang der Zufahrtsstraße ist die Erweiterung der Kinderbetreuungseinrichtung jederzeit, selbst im laufenden Betrieb, möglich. Der Baukörper wird dann vom Riegel zur L-Form erweitert und erzeugt eine geschützte Hofsituation. Die südwestseitige Spielterrasse im OG kann im Zuge er Kindergartenerweiterung zu einem zusätzlichen Bewegungsraum ausgebaut werden.

Für die Errichtung einer Arztpraxis (ca. 200m²) bleibt ebenfalls genügend Baufläche am Planungsgebiet übrig. Es wird vorgeschlagen hierfür ein eigenes Gebäude am südwestlichen Grundstückseck zu errichten.

„Ökologie und Wirtschaftlichkeit“

Einfache wirtschaftliche Bauweise mit übereinanderliegenden tragenden Wänden und Lochfassade. Die Errichtung des Gebäudes wäre sowohl in Holz- als auch Massivbauweise möglich. Die südseitig vorgesetzten, Terrassenüberdachungen bilden einen baulichen Sonnen- und Witterungsschutz. In Kombination mit hochwärmegedämmten Bauteilen benötigt das Gebäude daher weder Klima- noch Lüftungsanlage und kann als Niedrigstenergiehaus hergestellt werden. Leicht geneigte nach Südost und Südwest orientierte Dachflächen bieten ideale Ausrichtung für eine PV-Anlage. Eine Dachbegrünung wäre erstrebenswert.

Jurybewertung


Der Projektverfasser schlägt einen Ost-West gerichteten zweigeschossigen Baukörper vor, der mit der Setzung des Gebäudevolumens gekonnt die Bezüge zum bestehenden Veranstaltungssaal der Gemeinde Oberndorf aufnimmt. Geschickt nutzt der Neubau die Geometrie des Bauplatzes und schafft gleichzeitig „Distanz“ zum bestehenden Kindergarten.

Ein gemeinsamer Eingangsbereich verbindet die Betreuungseinrichtungen, Bestand und Neubau.

Im Erdgeschoss wird die Krabbelstube eingeplant, im Obergeschoss die Räume für den Kindergarten. Damit gelingt eine bestmögliche Trennung zwischen den Funktionseinheiten. Eine zweiläufige Treppe mit Sitzstufen und Luftraum verbindet die Geschosse.

Die Wegführung im Erweiterungsbau ist übersichtlich gestaltet und lässt attraktive Außenraumbezüge erkennen. Dem Eingangsbereich zugeordnet sind Leitung, Multifunktionsraum, Personalraum und Nebenräume. Gang und Garderobenflächen bieten vielfältig nutzbare Aufenthaltsräume und führen über die Terrasse in den Garten. Eine Außentreppe führt von den Kindergartenräumen im Obergeschoss zum Freibereich.

Die Gruppenräume überzeugen durch den gut proportionierten Raumzuschnitt und großflächige Fassadenöffnungen.

Die Erweiterung der Kinderbetreuungseinrichtung wird an der Westseite in Verlängerung der Nebenraumschiene vorgeschlagen und fügt sich schlüssig in das Gesamtkonzept ein. Im Obergeschoss wird ein Teil der Terrasse zum Bewegungsraum adaptiert. Dadurch kann der Erweiterungsbau auch bei „Laufenden Betrieb“ erweitert werden.

Überzeugend auch der Vorschlag für den Neubau der Arztpraxis. Ein eingeschossiger Baukörper schließt das Areal zur Atzbacher Str. ab, damit bleibt die Großzügigkeit der Spiel- und Freibereiche erhalten.

Insgesamt überzeugt der Wettbewerbsbeitrag aufgrund der genauen städtebaulichen Setzung, in Verbindung mit den qualitätsvollen Raumlösungen und einem sorgsamen Umgang mit der Ressource Bauland. Gratulation!

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